Alte Überfuhr

Die Pilgerfahrt in den Tod
Mai 1875. Pfingsten. Ein Dienstag.
"Wem es gelang, der erfasste einen Balken, oder klammerte sich an die Ruderstange; viele stürzten in die Fluthen, mehrere fuhren in den mit Wasser gefüllten Kähnen bis zur Weinzierlbrücke, wo diese an einem Joche aufgehalten wurden." beschreiben Zeitzeugen das Unglück.
Andere, genauer 98 Menschen, Männer, Frauen und ihre Kinder, hatten nicht das Glück, gerettet zu werden. Sie ertranken in der hochwasserführenden Mur.
Bereits um 7:00 Uhr morgens zog eine rund 400 Menschen zählende Pilgerschar von St. Stefan aus, um das Hochamt in Maria Staßengel zu feiern. In mehreren Fährfahrten sollte die Mur übersetzt werden. Bei den ersten zwei klappte dies auch problemlos. Beim dritten Einsteigen entstand ein Gedränge, die aufgestellte Dienstmannschaft vermochte es nicht zu verhindern, dass bei weitem mehr Personen einstiegen, als nach der Vorschrift gestattet war. Letztendlich sollten es über 150 Menschen sein, die sich auf der Plätte befanden haben. Es war nicht der Überfahrer, sondern ein Passagier, der die Fähre dann vorzeitig vom Land löste, noch bevor das Ruder richtig eingestellt war.  Durch den enormen Wasserdruck senkte sich der Kahn an der forderten Seite, Wasser drang ein, Panik entstand. Ein Zurück, wie die Pilgerschar verzweifelt rief, gab es nicht mehr. Die stützende Ufersäule brach, die Fähre sank noch tiefer, das sichernde Drahtseil riss, Boot und Menschen waren hilflos den Gewalten des Wassers ausgesetzt. "Das Jammergeschrei von Kindern, zumeist Mädchen, und den Erwachsenen war weithin bis in die Kirche Straßengel, zu hören gewesen sein." wird das Grazer Volksblatt in seiner Ausgabe drei Tage später berichten.
Dieses Unglück gilt als die größte menschliche Katastrophe der jüngeren Geschichte im Ort.
Der Fährverkehr über die Mur bei der Gratkorner Überfuhr wurde wegen Unrentabilität in den 1960er Jahren eingestellt.

 

Kinder aufgepasst!

 

>> Mit der Überfuhr konnte man schnell über die Mur nach Judendorf gelangen. Für 98 Menschen war das Übersetzen zu Pfingsten 1875 ihr Letztes. Die überfüllte Fähre sank und riss ganze Familien in den Tod.
Das Jammergeschrei der Kinder war bis nach Straßengel zu hören.
>> Auf vielen größeren Flüssen gibt es neben Brücken auch die Überfuhr mit einer Fähre.
In Gratkorn wurde die Fahrt über das Wasser 1962 eingestellt.