Bubnhaus und Madlhaus

Die wirtschaftliche Expansion der Papierfabrik schwappte auch den Rohstoff Mensch nach Gratkorn. Der Vielvölkerstaat war ein schier unerschöpfliches Reservoir an Arbeitskräften. Und Arbeit bedeutete Überleben.
Viele blieben, davon zeugen heute osteuropäische Familiennamen.
Für die meisten zerplatzte der Traum. „Entlassen wegen Raufhandels mit Kollegen“ oder „Nicht vertrauenswürdig wegen Zechprellerei“ sind Belege in den Personalbüchern der Leykam. Arbeitsverhältnisse dauerten oft nur wenige Tage.
Ein unlösbares Problem waren die Wohnungsverhältnisse. Zwar reagierte die Fabrik mit dem Bau notdürftiger Baracken, doch die Kapazitäten reichten nicht aus. Bettgeher entstanden. Schichtarbeiter teilten sich eine Schlafstätte.

Desaströse hygienische Bedingungen waren die Folge. Vor allem die Krätze, Syphilis und Tuberkulose breiteten sich aus.

Das Bubenhaus (auch Ganghaus) und das anschließende Madlhaus waren bereits Arbeiterwohnungen mit einem gewissen Standard.

 

Kinder aufgepasst!

>> Die Menschen brauchten Papier. Immer mehr. Deshalb ist die Fabrik auch immer größer geworden. Arbeiter kamen von überall her nach Gratkorn. Aber es gab zu wenig Wohnungen.
Bettgeher entstanden. Sie teilten sich die Schlafstätte. Einer am Tag, der andere nachts. So wurde das Bett nie kalt.
>> Arbeit zu haben war für die Menschen gleichbedeutend wie Überleben.
Aber in der Fabrik herrschte Ordnung. Wer gerauft hatte, oder im Wirtshaus nicht bezahlte, der wurde sofort entlassen.